Vortrag Rothenfels 2004

von Christa Meves

Viele Familien haben unsere Empfehlungen aufgenommen und bei ihrem Erziehen gute Früchte geerntet; aber umso bedrückender wurde es durch die Jahrzehnte hindurch, dass die Politik sich in die falsche Richtung verrennt, bzw. schläfrig gleichgültig sich lange nicht intensiv genug für die notwendigen Maßnahmen zur Erhaltung der Familie einsetzt. Um so wichtiger ist es deshalb, dass wir jetzt – durch die Hirnforschung mit hieb- und stichfesten Beweisen ausgestattet und seit der Niedergang eklatant sichtbar geworden ist – mit mehr Gewicht ein Konzept auf den Tisch legen können, das auf dem Boden des 1969 bereits vorhandenen psychotherapeutischen Wissens der neoanalytischen Schulen und der Säuglingsforscher Bowlby und Spitz erarbeitet worden war und auf deren Forschungsergebnissen ebenso wie mit Hilfe der Erfahrungen in der psychotherapeutischen Praxis ich meine Anthropologie ausbauen konnte. Ich will sie Ihnen anhand eines Schaltbildes kurz zusammengefasst darstellen und damit das bei Prof. Hüther eben Gelernte abrunden.

Die Urmitglieder unseres Vereins werden die Schaltbilder der Pyramide über den Lebensaufbau bereits kennen; aber diese müssen auch den Neuen unter uns vermittelt werden, weil es ja nur mit Hilfe von Grundwissen möglich ist, für die Erziehung der Kinder angemessene Schlussfolgerungen zu ziehen.

Eine kleine Vorbemerkung vorab: Ich bitte Sie, mir bei der folgenden Darstellung zu konzedieren: Jede Systematik ist ein Konstrukt. Das ist zwar nicht in der Lage, der faktischen Vielfalt voll zu entsprechen; aber wir brauchen nun einmal dergleichen, um Überblick und Orientierung zu gewinnen, damit daraus Handlungsmöglichkeiten abgeleitet werden können.

Sie sehen, nach dieser meiner Lehre könnte man den Lebensaufbau mit einer hoch hinaufbaubaren Pyramide vergleichen, deren Höhe und Stabilität entscheidend vom fest gefügten Fundament abhängt. Die Säuglingszeit hat die allergrößte Bedeutung, wie wir eben von Prof Hüther gehört haben – sie bildet die grundlegende Basis.

Aber die beiden folgenden Entfaltungsphasen, die bis ins Schulalter hineinreichen, sind von nicht viel geringerer Bedeutsamkeit. Nach der Antriebslehre sind diese drei Phasen so grundlegend, weil sich hier die großen lebensnotwendigen Triebe des Menschen entfalten und es deshalb alles darauf ankommt, mit ihnen angemessen umzugehen, weil es sonst zu schwerwiegenden Triebentgleisungen kommen kann. (Das ist im Unterbau der Pyramide gravisch dargestellt). Der erste Trieb, der mit dem Saugreflex beim reifgeborenen Säugling bereits unmittelbar nach der Geburt parat steht, ist der Nahrungstrieb, der in seiner Bedeutsamkeit für spätere Gesundheit oder Kranheit im Erwachsenenalter von der Wissenschaft immer noch weit unterschätzt wird.

Beim gesunden Säugling beginnt sich danach – vorbereitet durch den Tast-Geruchs-und Gehörssinn und mit Hilfe des sich etwas später einstellenden Gesichtssinns nach einigen Wochen der Bindungstrieb zu entfalten. Nun fasst das Kind sein Gegenüber gezielt ins Auge und prägt sich dieses Gesicht ein. Es will, es muss sich binden. Prof. Großmann wird uns das heute Nachmittag sicher in allen Einzelheiten schildern, wie das in dieser Prägungsphase für den Bindungstrieb geschieht. Die Hirnforscher haben die Vorstellung von Konrad Lorenz und Renee Spitz, dass es für die entsprechenden Reifungsstufen sogenannte Zeitfenster gibt, voll bestätigt. Zwei dieser Prägungsphasen eben für den Nahrungs- den Bindungstrieb liegen bereits im Säuglingsalter. Hier werden für das ganze Leben (Schauen Sie jetzt auf den blau umrandeten Kasten unten) ein stabiles Urvertrauen und eine durchhaltende Bindungsfähigkeit im Hirn ausgebildet und so die Grundlagen für spätere Lern-und Leistungsfähigkeit,wie auch für Liebesfähigkeit und eine auf Gefühlen der Dankbarkeit aufbauende Gewissensbildung vorbereitet.

Schauen Sie jetzt auf die zweite rotumrandete Stufe.Stellt sich der Mensch dann im 2. Lebensjahr auf die Beine, so beginnt er jetzt auch zu sprechen – und das heißt, er beginnt, auf die allein dem Menschen vorbehaltene Macht des Wortes zuzuwachsen. Und gleichzeitig beginnt die Entfaltung des Selbstbehauptungstriebes in Form eines unübersehbaren Uregoismus mit einem Egotrotz, der die armen Mütter um so mehr erschreckt, je vitaler ihre Sprösslinge sind und sich entsprechend gebährden, obgleich dieser Trieb – die Lorenzianer haben ihn unzureichenderweise Aggressionstrieb gennant – ebenso gesund wie notwendig ist. Eine Unterkategorie des Selbstbehauptungstriebes ist der Besitztrieb, das Bedürfnis zu haben und behalten, der bei gesunden Kindern jetzt unverblühmt zum Ausdruck kommt. Er wird besonders von bemühten Eltern meist pädagogisch falsch eingeschätzt. Die Eltern gehen von der Vorstellung aus, dass ihr süßer Spatz allemal gut sein müsse. Die jetzt in Erscheinung tretende Urwüchsigkeit ängstigt die Mütter und lässt die Väter fürchten, dass hier die Gene der Schwiegermutter sichtbar würden. Aber die Entwicklung des Selbstbehauptungstriebes ist urnormal und als zweite Stufe der Basistriebe lebenswichtig, damit sich ein gesundes Durchsetzungsvermögen und Selbständigkeit entfalten können. Zwar müssen unsere Kinder nun auch ihre Grenzen kennenlernen, aber gewiß ohne Gewaltanwendung. Und grundsätzlich gilt: Erst muss sich die Pflanze Mensch entfalten; dann erst ist Beschneiden dran, und das heißt: erst im Grundschulalter gilt es, den Kindern möglichst konsequent anständiges Benehmen zu vermitteln. Aber in der ersten Trotzphase geht es zunächst um die Notwendigkeit eines stabilen Ego und um die Fähigkeit, sich selbst zu verteidigen – auch seinen Besitz. (Das hören wir christlichen Eltern gar nicht so gern – und doch gilt auch hier: Alles zu seiner Zeit! Unsere Kinder werden nicht als Engel geboren. Sie sind zunächst kleine Wildlinge, die allerdings bedachtsamer Zähmung bedürfen. Aber zunächst muss das Ich die Gelegenheit bekommen, sich zu konstituieren, sonst kann unsere spätere Bemühung um Kultivierung nicht greifen;denn das Aufblühen des schöpferischen Geistes und der Sprache liegt nun einmal im Zeitfenster des Selbstbehauptungstriebes – eben in der Vorschulzeit.

Schauen Sie jetzt auf die 3. gelb umrandete Stufe von unten.Die grundlegende Phase zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr hat die Vorprägung der geschlechtlichen Identität zur Aufgabe. Nur halbbewusst, aber dennoch mit großer prägender Intensität wird hier vom Kind im Idealfall folgende Festlegung getroffen: „Ja, ich bin ein Junge, ich werde mal ein Mann wie Vater, und dann heirate ich so etwas Liebes wie Mutter.“ (Und vize versa bei den Mädchen) Freud und Lorenz haben hier bereits Erkenntnisgewinn erbracht. Aber der wurde zugunsten der Ideologisierung der 70er und 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts einfach vom Tisch gefegt wurde – zum großen Schaden der Allgemeinheit, wie uns heute Nachmittag Frau Dr. Vonholdt vermitteln wird. Aber kurz vorab: Die 5-7Jährigkeit ist die Prägungsphase für die Bejahung der eigenen geschlechtlichen Identität und bereitet spätere gegengeschlechtliche Anziehung vor.

Ich kann und will hier unsern beiden Referenten am Nachmittag nicht vorgreifen, deshalb nur im ICCE-Tempo: In bezug auf die sieben ersten Lebensjahre ist zu lernen: Der Mensch ist gewiss von Anfang an Mensch und kein Affe; und dennoch werden die Voraussetzungen zur Lebensbewältigung sehr gesetzmäßig zunächst durch Basistriebe geschaffen, die den biologischen Gesetzmäßigkeiten entsprechen, wie man sie auch bei höheren Säugetieren bereits antrifft. Das ist keine Konzession an die atheistischen Evolutionstheoretiker, dass der Mensch allein eine Ausgeburt des Zufalls sei. Blinde Auslese und zufällige Mutation reichen nicht aus, die Entstehung des Menschen zu erklären. Aber unsere Verwandten sind sie schon, die höheren Säugetiere. Gott hat sich eben seine Schöpfung hinaufgepflanzt bis hin zu jenem neu geschaffenen Geschöpf, das – gesund entfaltet – grundsätzlich anders als alle Tiere – zum Sprechen, zu Reflektion und Einsicht = Vernunft und zu freiwilliger altruistischer Liebe fähig ist. Das also gilt es zu unterscheiden: Der Mensch hat zwar einen einmaligen Geist und eine unsterbliche Seele – und dieser Hauch Gottes existiert keimhaft von Anbeginn an als sein mit Tieren unvergleichbares Spezifikum; aber die grundlegende Voraussetzung zu deren Entfaltung hin zu einer menschlichen Lebensbewältigung, die Basis, ist vornehmlich biologischer Natur. Was hier pädagogisch richtig oder falsch gemacht wird, könnte man deshalb in der Tat schon von unseren Hunden lernen, manches sogar bereits von Ratten und Mäusen. Und in bezug auf die Entwicklung von Medikamenten macht das die Forschung ja bereits seit langem. Aber dass es die vier Haupttriebe des Menschen sind, sein Nahrungstrieb, sein Bindungstrieb, sein Selbstbehauptungstrieb und sein Geschlechtstrieb, die in den ersten Lebensjahren Prägungsphasen haben und dass die Synapsen des Hirns nur optimal sprießen,wenn sie phasen- und naturgerecht durchlaufen werden, ist in der Wissenschaft noch nicht erkannt, was außerordentlich notwendig wäre, um daraus die zu folgenden pädagogischen Prämissen zu entwickeln, statt verderbniserzeugend zu meinen, das Urkonzept nach eigener laienhafter Maßgabe abwandeln zu können.

Das ist einer der Hauptgründe für das Kinderchaos heute, für die Massen der Verhaltensstörungen schon im Kindergarten, für die pädagogisch nicht zu bewältigende Unruhe im Grundschulalter und damit für das absinkende Leistungsniveau und die Massenneurosen im Erwachsenenalter: Durch pädagogisch falsche unnatürliche Maßnahmen werden eben die vier Grundtriebe in den ersten sieben Lebensjahren unzureichend entfaltet bez. dabei gestört, wozu besonders im Kleinkindalter frühe Kollektivierung und andere ängstigende Erfahrungen, lärmende Unruhe wie z. B. auch eine Dauerberieselung mit Fernsehen erheblich beiträgt.
Das ist deshalb meine Botschaft: Phasenspezifisch müssen die vier Grundtriebe des Menschen zur natürlichen Grundbefriedigung gebracht werden. Nur eine gesunde Basis, nur gesund entwickelte Triebe versetzen den Menschen in einen Status, auf dem der unbeschädigt entfaltete Geist offen wird für verbale Belehrung, sodass sie optimal greifen kann…… Und die Kultiviertheit des Herangewachsenen hängt dann davon ab, ob er nach einer solchen Phase sorgsamer kognitiven Bildung im Schulalter durch die Integration des Kreatürlichen in die erworbene geistige Struktur im Erwachsenenalter dann einen Status erreicht, der so stabil ist, dass er seine Triebe maßvoll als Kraftquelle verwenden kann. Dann, nur dann hat er die Chance, dass sie sich nicht wuchernd verselbständigen. Herr im Seelenhaus kann der Mensch nur werden, wenn er seelisch und geistig so gesund aufgewachsen ist, dass er in der Lage ist, seine Triebe sowohl realitätsgerecht zu nutzen wie sie ebenso pfleglich einzudämmen und zu sublimieren .Davon sind wir heute durch die 30jährigen Enthemmungsideologie und die darauf geruhende Verwahrlosung unseres Bildungssystems weiter entfernt denn je. Zurück zu unserer Pyramide: (Gehen Sie jetzt in die vierte, blau umrandete Stufe und verfolgen Sie die Pfeile am rechten Rand.).

Die ersten Früchte einer gesunden Basis im Säuglingsalter erntet das Kind, bezw. seine Eltern in der Schulzeit. Durchhalte-und Konzentrationsfähigkeit sind Eigenschaften, die es jetzt braucht und die ihm dann ebenso zur Verfügung stehen wie die Möglichkeit, sich in die Gemeinschaft einzubinden, wenn die Entfaltung der Triebe, besonders in der Säuglingszeit ohne Defizite und Traumata vor sich gegangen ist.

Und jetzt zur nächsten rot umrandeten Stufe:Der Erwerb einer stablien Selbstbehauptung in der ersten Trotzphase macht jetzt pflegliche Ablösung von den Eltern in der 2. ´Trotzphase, der Pubertät, unter der Einwirkung des 2.Schubs von Geschlechtshormonen möglich.(Der erste erfolgt unter der Geburt)

Und die Möglichkeit, auf das andere Geschlecht zugehen zu können, baut nach einer stabilen Prägung der geschlechtliche Identität auf der Stufe 3 jetzt als Lust auf Partnerwahl auf Stufe 6 im jungen Erwachsenenalter auf. ( S. die sechste gelb umrandete Stufe)
Erst der stabile Aufbau dieser sechs Stufen – schauen Sie jetzt auf die entsprechend umrandeteten höchsten Stufen – bilden die Voraussetzung zu einer spezifisch menschlichen Ausgestaltung im Erwachsenenalter, erkennbar z. B. in einer gelingenden Existenzgründung nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung ( blauer Kasten) und der Möglichkeit zu einer echten geistigen Unabhängigkeit, (roter Kasten). Der in dieser Weise Reifgewordene ist nun in der Lage, z. B. dem verderblichen Trend der Massenmedien nicht kritiklos aufzusitzen. Er verfügt über Kritikfähigkeit und eigenschöpferischen Geist. Erst als Folge eines geraden Lebensaufbaus also kann der Mensch deshalb schließlich als Erwachsener echte Willensfreiheit entwickeln.

Und schauen Sie jetzt auf die höchste, farbig vereinte Stufe: Nun ist die Kraft zu überpersönlicher Verantwortung und eben auch die Möglichkeit zur Ausgestaltung seiner religiösen Bedürfnisse gegeben. Für dieses spezifisch Menschliche, für opferbereite Liebe und Glauben hat er zwar von Anbeginn an eine Anlage; ( Der Mensch sei genetisch religiös, ließ kürzlich ein Genetiker verlauten); aber er kann die spezifisch menschliche Himmelsgaben nur in die Realität umsetzen, wenn Anlagen und Umwelt durch eine phasengerechte Erziehung sorgfältigst Raum gegeben worden ist. Die Gefühle von Sicherheit und Geborgenheit im Statu nascendi, die durch natürliche Angemessenheit des Umgangs mit den Kindern entstehen, sind neben einer Vorbild-gebenden Haltung der Erziehenden und ihrem kognitiven Einsatz im Schulalter also die Voraussetzung, um einen Status zu erreichen, in dem Bindung an Gott – als Frucht der frühen Bindung des Kindes an seine Eltern, echte persönliche Freiheit als Frucht eines pfleglich entwickelten Selbstbehauptungstriebes und Verantwortung für die Nächsten als Frucht männlicher und weiblicher Vorbilder zum Tragen kommen.

Nachdrücklich muss noch einmal betont werden,dass dieser Status gewiss nur erreicht werden kann, wenn im Schulalter durch das Elternhaus, in der Schule und durch die Kirche wirklich Bildung vermittelt und Kultivierung geübt worden ist. Aber das kann eben nur greifen, wenn der Boden hinreichend vorbereitet ist. Dass der Status unserer Jugend in dieser Hinsicht so mangelhaft ist, liegt zwar einerseits daran, dass wir die Schulen und Universitäten der destruktiven sozialistischen Ideologie ausgeliefert haben,. aber andererseits mussten die Bemühungen der pädagogisch Tätigen immer erfolgloser werden, weil die Bildbarkeit bereits der jungen Kinder häufig so unzureichend vorhanden ist, dass die besten Pädagogen nur noch wenig ausrichten können. Nur mit Hilfe der sehr sorgsamen, sehr gekonnten Bemühung um die Erfüllung der Entfaltungsbedingungen kann schließlich das eigentliche Wesen des Menschseins Wirklichkeit werden. Diese Voraussetzungen sind unabdingbar. Erst sie schaffen einen kraftvollen Status und die Möglichkeit, darauf eine wahrhaft kultivierte Lebensform aufzubauen,die erst dann jegliches Vergleichen mit Tieren gänzlich übersteigt.

Das begreifbar zu machen ist der Sinn dieser Tagung, ist der Schwerpunkt meiner Lebensarbeit. Wir sind erst auf dem Weg zum Menschen, ja, wir geraten in die Gefahr zurückzufallen und (um mit Goethe zu sprechen) tierischer als jedes Tier zu werden, wenn wir nicht im technischen Zeitalter schnellstens lernen, dass wir auch bei der Erziehung der Kinder nicht alles machen dürfen, was wir tun könnten und was uns Erwachsenen selbstherrlich eben mal einfällt oder was uns von den elektronischen Medien dumm ideolgisch als erstrebenswert eingeblasen wird.

Denn sonst geschieht, was ich auf der im Fundament gespaltenen Pyramide Ihnen jetzt aufzeigen kann. Die falsch behandelten Nahrungs- und Bindungstriebe an der Basis bewirken bereits im Ansatz, dass die seelische Mitte, die zentrale Befriedigung hervorruft, unzureichend bleibt. Statt sattsamer Befriedigung entsteht schon hier Unausgeglichenes: Ungesättigte Gier und/oder Resignation. Wie kann man den Nahrungstrieb und den Bindungstrieb falsch behandeln? Konrad Lorenz hat das mit seinem Modell des AAM (des angeborenen Auslösermechanismus) erforscht. Der Trieb will so befriedigt sein, wie es das Naturgesetz verlangt. Das Kind sucht seine Mutter, mit den Augen, mit dem Mund, über Geruch und Gehör. Wie gesagt: Es muss sich an sie binden.Es muss aber auch durch möglichst natürliche ihm angemessene Nahrungsvermittlung gesättigt werden, und zwar immer, wenn es danach verlangt. Es ist ein trauriges Faktum, dass diese natürliche Vorgegebenheit, die sich nach Angebot und Nachfrage beim Stillen vollständig natürlich von selbst ergibt, in den vergangenen 50 Jahren – besonders seit Erfindung der Kunstnahrung – einer instinktlos gewordenen Menschheit immer mehr aus dem Gedächtnis geriet, so dass der depressive Charakter in den zivilisierten Gesellschaften immer häufige vorgeprägt wurde und mittlerweile zum internationalen Boom geworden ist. (Vier Millionen Depressive schätzt eine Auszählung und Hochrechnung bei Bayerischen Ärzten für Deutschland.)

Schauen Sie jetzt erst einmal auf die zum Teil blau umrandeten Kästen links und rechts ganz oben:
Geschieht die natürliche Grundbefriedigung des Nahrungs- und des Bindungstriebes in Statu nacendi nicht, und wird das nach einer immer stärker werdenden Schieflage in den folgenden Lebensstufen durch die Kindheit hindurch fortgeführt, so erwächst daraus entweder eine von vornherein resignierte Lebenseinstellung, eine depressive Charakterstruktur, oder es prägt sich oraler Gier in Form von Alkoholismus, Fresssucht, Stehlsucht und anderen Räubereien sowie Rauschgiftsüchten aus. Der am Lebensbeginn unzureichend gesättigte Trieb setzt sich dann wuchernd, immer neu gegen die Vernunft überschießend, durch, hemmt den Menschen in seinen spezifisch menschlichen Vollzügen und behindert seinen Lebenserfolg. So haben wir z. B. einen Boom der Fettleibigkeit in unserer Gesellschaft, dem nur die Überdisziplinierten mit dem anderen Extrem, der Magersucht in gefählich falscher Weise zu entfliehen suchen.

Der behinderte Bindungstrieb bewirkt darüber hinaus eine generelle Kommunikationsschwäche – bis hin zur Schizoidie, oder es kommt zu taktloser Kontaktsucht, die die Kommunikationsmöglichkeit letztlich zerstört. Bei fehlender Erziehung kommt es dann häufig zur Verwahrlosung und zu räuberischer Kriminalität.

Auf der zweiten Stufe – jetzt bitte die zweiten roten Kästen von unten beachten -, im Vorschulalter macht der verhinderte Selbstbehauptungstrieb entweder (besonders bei bei Prügelerziehung) zunächst übergefügig, oder bei einer antiautoritären, d. h. eigentlich vernachlässigenden Erziehung chaotisch egoistisch bis aggressiv.

Bitte jetzt die beiden rotmarkierten Kästen oben links und recht beachten:Bei gewaltsamer, aber auch bei „vergewohltätigenden“ÜberErziehung in der Vorgeschichte entspringt im Erwachsenenalter daraus eher ein Zwangsneurotiker. Er hat so viel Angst vor seinen eigenen, massiv angestauten Agressionen, dass sich die gequälte Natur durch Gewaltfantasien oder ähnliche Zwänge mit Notventile entlasten muss. Oder es entsteht bei brutaler Vorgeschichte in dieser Phase ein gewalttätiger Charakter, auf jeden Fall aber ein egomaner Erwachsener, im übelsten Fall ein gewalttätiger Krimineller, etwa ein Hitler oder ein Stalin. (Sehen Sie ganz oben recht Mitte)

Nun die dritten gelben Kästen von unten: Die verhinderte geschlechtliche Identitätsfindung durch unzureichende oder fehlende Elternvorbilder erwirkt zunächst ein diffuses Minderwertigkeitsgefühl, das nicht selten durch Geltungssucht zu kompensieren versucht wird und die im Erwachsenenalter dann entweder eine nicht brechbare Scheu vor dem anderen Geschlecht zur Folge hat, (S. die gelben Felder oben links), oder es entwickelt sich jenes ruhelose Suchen und Schweifen, wie wir das bei allen Perversionen, vor allem aber bei der Homosexualität beobachten. (Die gelben Felder oben rechts). Bei entsprechender Vorgeschichte können sich hier vielfältige Fehlbahnungen ergeben von der Pädophilie bis zur Hochstapelei und im übelsten Fall von Sexualdelikten als dann kaum revidierbaren Sexualsüchten.

Kurz noch ein kleiner Rückblick in die Zwischenstufen: Die unzureichende Basisfestigkeit wird bereits im Schulalter sichtbar,( schauen Sie jetzt auf die vierten blau umrandeten Kästen von unten),indem die in der Säuglingszeit angelegte Unausgeglichenheit sich verstärkt, und als antriebslose Passivität und /oder im Schulalter als ungerichteten Aktivität in Erscheinung tritt. Heute nennt man das ADS.(Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom.)

Schauen Sie jetzt auf die fünften roten Kästen von unten:In der Pubertät fliegen bei unausgegleichener Ich-Entwicklung dann entweder die Fetzen, Hass auf die Eltern bricht auf, und endet nicht selten damit, dass die jungen Erwachsenen die Beziehung zum Elternhaus abbrechen. Oder -besonders die weniger vitalen Herangewachsenen bleiben unselbständig im Elternschlepp hängen – meistens dann aber in unseliger Hass-Liebe untermischt mit den abenteuerlichsten Abscheulichkeiten im Umgang mit den Angehörigen.

Jetzt die gelbumrandeten sechsten Kästchen von unten: Hier dreht es sich schon um die jungen Erwachsenen und den Auswirkungen ihres Kinderschicksals in der 5 –7 Jährigkeit: die unzureichenden Vorbilder während des dritten Zeitfenster verunmöglichen nun im Erwachsenalter zweigeschlechtliche Bindungen – ein besonders häufiges Schicksal bei Scheidungswaisen.
Bilanz: Eine Fülle von Lebenskraft verschleißt sich in oft schwerwiegenden, lebenslänglichen Unausgeglichenheiten. Die seelische Instabilität behindert eine vollgültige Ausgestaltung der Anlagen. Ja, im schlimmste Fall droht mehr: Selbstvernichtung als Folge eines Looser-Schicksals – als direkter oder per Sucht schleichender Suizid – ist dann die tragische Gefahr von unerkannten, untherapierten Fehlentwicklungen, die sich in Teufelskreisen bis zur endgültigen Hoffungslosigkeit verstärkten. „Das Ende kann nur Verzweiflung sein“ wusste bereits Shakespeare angesichts eines zwangsneurotischen Hamlet, dessen Selbstbehauptungstrieb offenbar so unzureichend entwickelt war, dass er „ von des Gedankensblässe angekränkelt“ zum zeitgerechten Handeln unfähig blieb.

Heute liegt der Schwerpunkt mehr auf den millionenhaft gezüchteten Depressionen durch die Störung des Nahrungstriebes am Lebesnanfang und auf Bindungsunfähigkeit, die eine kinderlosen Singlegesellschaft zur Folge haben muss, weil die Basisstufe eben zu oft schon mit Schäden durchwirkt ist.

Ich kann das heute jetzt in meinem Kurzvortrag nicht vertiefen, -auch jetzt nicht auf die einzelnen pädagogischen Konsequenzen eingehen. Sie finden Sie im grünen Faltblatt tabelarisch aufgelistet.Deshalb haben wir sie für Sie in großer Zahl mitgebracht, auch zum Weiterreichen, zum Verteilen, wo Sie nur können. Wir schicken mehr, so viel Sie wollen; denn es geht um so viele Schicksalsweichen. Sie haben in den beiden Aussprachen auch noch viel Zeit zum vertiefenden Nachfragen.

Jetzt hier in diesem Kurzvortrag ist zunächst nur eines wichtig zu verstehen: Wir müssen uns beim Erziehen an das halten, was wir als Entfaltungsbedingungen der Spezies Mensch vorfinden. Diese Vorgaben zu kennen und zu beachten, das ist uns Erziehern aufgegeben. Das gilt es neu zu lernen. Sonst verderben wir mehr, als wenn wir gar nichts täten.

Die Hauptbasis, das Säuglingsalter, geschieht zunächst eindeutig mit Hilfe einer Passung zwischen zwei Personen allein: Dem hilflos geborenen Kind und seiner leiblichen Mutter. Sie, nicht irgendwer sonst, wird im gesunden Fall für diese Aufgabe hormonell zugerüstet. Damit die Basis gelegt wird, indem die beiden Haupttriebe zur Entfaltung gebracht werden, ist unmittelbar die Mutter und keine andere Person gemeint. Natürlich hat auch der Vater in dieser Situation bereits eine grundlegende Funktion als der Beschützer dieser Idylle. Aber es ist bereits ein falscher Ansatz zu meinen, Vater und Mutter seien in dieser Situation austauschbar. Gewiss, in der Not ist manches dennoch möglich, auch der Mutterersatz durch einen Vater, eine Großmutter oder eine liebevolle Bezugsperson. Aber grundsätzlich ist es klug, sich über die biologischen Vorgaben nicht hinwegzusetzen. Dennoch hat auch der Vater eine unaufgebbar wichtige Funktion während der lange Kindheit seiner Sprößlinge. Er sollte für sie als Geistträger, als verantwortungsbewußter Vormacher wirksam werden; denn er ist soo anders in seinem geschlechtspezifischen Charkter als die Mutter, dass wir jetzt bei der Hormonforschung lernen können, warum sie so typisch ausgerechnet mütterlich und väterlich verschieden sind, die Geschlechter: Sie sollen sich gerde darin ergänzen. Gerade was an ihnen verschieden ist, scheint auf eine optimale Erziehung der Kinder hinprogramiert zu sein und deshalb mithilfe von Östrogen und Testosteron hormonell vorbereitet. Sogar dieses ist uns also von unserem Schöpfer offenbar vorgegeben, weil Gott die Familie als DEN Ort hinaufzupflanzender Zukunft für so, so wichtig hält! Nur durch eine sich gegenseitig ergänzende, opferbereite , gemeinsame und doch höchst individuelle Erziehung lässt es sich offenbar erreichen,dass der Erwachsen-gewordene in einer optimalen, echt menschlichen Weise Liebe zu leben und friedvoll zu sein vermag. Und dies ist nach christlicher Auffassung überhaupt das Ziel Gottes mit seinem Geschöpf Mensch.

Wie schwer haben wir es heute, das zu begreifen: Das Natürliche ist am Anfang zunächst das Optimale! Auch hier hat Gott für den Menschen offenbar vorgedacht – nicht nur für die Tiere allein! Aber die Anwendung seines Hauchs, die Liebe und Verantwortung der Eltern zu ihren Kindern, erwartet er von uns Menschen als eine Entscheidung in Freiheit; denn Freiheit ist nun einmal die Vorbedingung zur echten Ego-Überwindung aus Liebe, aus Danbarkeit zum wirklich selbstlosen Liebesopfer, das nötig ist beim Einsatz der Eltern für ihre Kinder.

Die Hirn-und Hormonforschung ist heute glücklicherweise dabei, die unsinnige Ideologie von der Gleichheit der Geschlechter vom Tisch zu wischen.. Nun müssen wir neu lernen, dass die spezifischen Besonderheiten der Frau: Hellhörigkeit, Redetalent, Hautempfindlichkeit Spontanität sowie ein feinerer Geruchs-und Geschmacksinn Eigenschaften sind, die für die Pflege und das Aufziehen von Kindern vorrangig besonders wichtig und von höchstem Wert sind sogar im Blick auf die späteren Intelligenzentfaltung! Die neue Forschung liefert so im Grunde einen direkten Beweis für die Wahrheit des Christentums. Nicht Dressur macht den Menschen zum Menschen und erst recht nicht selbst ausgedachtem ideologische Konzepte. Auf die hellhörige opferbereite Liebe für jede dieser Wunderblumen, die uns in die Wiege gelegt werden, kommt es an. Jedes einzelne ist schließlich ein nicht wiederholbares Einzelexemplar, das höchster Feinfühligkeit bedarf. Deshalb bekommen wir normalerweise nur ein Kind auf einmal und das zweite – bei natürlichem Umgang mit diesem erst nach 1 1/2bis zwei Jahren.

Meine Damen und Herren, Kollektive können ein derart feinsinnig ausgedachtes Konzept des Schöpfers – besonders für die ersten drei Lebensjahre – gewiß nie und niemals leisten!!! Bei diesem Stand der Forschung jetzt noch auf die Idee zu kommen, flächendeckend Kinderkrippen einzurichten, – wider alle Missachtung auch des 70jährigen Großexperiments der Ostblockländer mit deren Großkolektivierung der Kinder vom Säuglingsalter ab – ist deshalb nicht nur hirnrissig, sondern bei unserer so bedrohlichen gesellschaftlichen Lage geradezu ein Verbrechen.

Wir sind heute durch törichte Umwege, durch den ideologischen Geist der Beliebigkeit, und durch die unsägliche Masche der Feministinnen, uns Frauen zu Männinnen machen zu wollen, in der Gefahr, durch solchen nicht kindgerechten Unsinn, unsere Zukunft zu verspielen.

Wir haben aber auch neu die Chance,aus den Konsequenzen der Erfahrungswissenschaft, vereint mit der neuen Hirnforschung, Einsicht zu gewinnen und sie pädagogisch umzusetzen, in der Hoffnung, so eine neue kulturelle Hochblüte zu erreichen, wie sie in dieser gekonnten Gezieltheit bisher vermutlich nur bei einzelnen Exemplaren der Spezies Mensch erreicht worden ist. Daran mitzuwirken ist jeder von uns gefordert – handelt es sich doch letzlich lediglich um ein fröhliches Horchen und um ein daraus entstehendes Gehorchen , zu dem wir von unserm Schöpfer und zwar jeder einzelne höchst persönlich in Freiheit bestimmt sind. Dazu brauchen wir Gebet um Gnade, dazu brauchen wir Glück – doch wir können, wir müssen auch selbst viel tun!.
Packen wir es also an!